Georg Herold – Der Hum-Ai-nist
„Der Rationalist ist einfach ein Mensch, dem mehr daran liegt zu lernen, als recht zu behalten.“ (Popper)
Lassen Sie sich anekdotisch erzählen, woher ich komme, was mich umtreibt und warum ich mich Ihnen als KI-Trainer anbiete.
Als Kind der Achtziger, sozialisiert in der Umbruchzeit der Wende und – ja wirklich – den wilden Neunzigern, bin ich den steten Wandel gewohnt. Vermeintlich unveränderlich Erscheinendes transformiert sich in etwas anderes, manchmal in nicht einmal mehr Erkennbares.
Meine erste Begegnung mit Computern? Ein Commodore 64 – nicht meiner, aber ich durfte ihn benutzen. Ein Intel Pentium MMX mit stolzen 166 MHz sollte später mein erster eigener werden. Entgegen der mütterlichen Hoffnung missbrauchte ich die Rechenknechte hauptsächlich für die Gaming-Klassiker der 90er und 2000er und schlug keinen Karrierepfad als Informatiker ein.
Stattdessen verschlug es mich ins Historische Seminar der Universität Leipzig. Eine Studienwahl, die ich nie bereute. Dort lernte ich nicht nur meine analytischen Fähigkeiten zu schärfen, sondern vor allem die Kunst der Reduktion: Aus der Masse an Quellen und Interpretationen das Wesentliche herauszufiltern, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und sie verständlich zu präsentieren. Eine Kompetenz, die sich heute als unschätzbar erweist, wenn es darum geht, die vielschichtige Welt der KI begreifbar zu machen. Mit Künstlicher Intelligenz kam ich 2010 in Berührung, als die Universität die digital humanities nach Leipzig holte. Damals dachte ich noch: ‚Ist ganz nett, aber wie ernsthaft kann das schon sein?‘ – eine Mischung aus Naivität und Ignoranz, wie ich mir heute eingestehe.
Was mich antreibt? Neben meiner Neugier für Technologie ist es meine humanistische Bildung und die Beschäftigung mit der ‚Volksaufklärung‘ des 18. Jahrhunderts. Das Bestreben der damaligen Gelehrten, ihr Wissen nicht wie Smaug im Schicksalsberg zu horten, sondern mit der Welt zu teilen, ist mir ein Vorbild.
Als Ende 2022 OpenAI mit ChatGPT der Welt das Potential von KI-Sprachmodellen präsentierte, war ich sofort fasziniert. Da war dieses Neue, das in meine Sphäre – die der Sprache – einbrach. Damit wollte ich mich beschäftigen. Damit meinte ich weniger den Kauf von KI-Aktien (den Zug habe ich vollständig verpasst), sondern die Frage nach dem viel beschworenen human in the loop. Weniger als konkrete Wegmarke auf dem Pfad der Entscheidung, an der ein Mensch die Verantwortung trägt. Mehr als die kreisende Frage, was KI mit dem Menschen und der Mensch aus KI macht. Sind wir auf dem Weg zu Skynet mit Versklavung und Auslöschung? Oder winkt der Transhumanismus mit dem Schritt hin zu einer interstellaren Spezies? Wir werden sehen, ob ich der Dystopie oder der Utopie zugeneigt bin. Für mich gehört Nachdenken zur Wegfindung dazu.

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georg.herold@humanismus.ai